Matthias Klein

ADHS ist mehr als Unaufmerksamkeit

Gestern war also Welt-ADHS-Tag?

Habe ich leider verpasst. Ich war im Hyperfokus. Klingt wie ein Witz, der sich von selbst schreibt. Es wäre vielleicht sogar witzig - wenn - ja wenn es nicht so kräftezehrend wäre.

Das ist nämlich genau der Punkt: ADHS ist eben nicht nur „Ich kann mich nicht konzentrieren.", „Ich bin halt manchmal ein bißchen schusselig." oder „Hin und wieder vergesse ich eben mal alles um mich herum."

Es kommt auch vor, dass ich meinem Sohn - wie gestern - erst gegen 16 Uhr Mittagessen gemacht habe, weil ich in Programmierarbeiten vertieft war. Jetzt hätte er sich mit seinen 11 Jahren vielleicht sogar selbst melden können, wenn er nicht oben an seinem eigenen Rechner gesessen und ebenfalls programmiert hätte.

Ja, er hat auch ADHS (mit zusätzlich autistischen Zügen, einer Sozialphobie und generalisierter Angststörung) und scheint auch beruflich in Papas Fußstapfen treten zu wollen. Mir war übrigens bis zu seiner Diagnose nicht klar, dass auch die ganzen Komorbiditäten durchaus vererbt werden können, er ist mir bestimmt sehr dankbar dafür.

Und dann merken wir beide halt irgendwann: fuck, was war denn gestern? Ach, Welt-ADHS-Tag war gestern. Na schönen Dank auch, vor allem an Fritze #Merz, den #Kanzler der Herzen. Danke dafür, dass es den #Psychotherapeuten jetzt endlich mal ans Geld geht. NICHT!

Meine Therapeutin ist promovierte Psychiaterin und sie weiß noch nicht, ob sie evtl. doch wieder eine Oberarztstelle im Krankenhaus annimmt, statt weiterhin für immer weniger Geld immer mehr Patienten zu behandeln, weil sie nicht nein sagen kann.

Wer will es ihr verübeln? Wir brauchen nicht nur einen Welt-ADHS-Tag, wir brauchen vor allem #Therapeuten, die sich im gesamten neurodivergenten Spektrum auskennen und WIRKLICH gut bezahlt werden, um auch gut helfen zu können.

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Oliver :europe: